The Rock & Worship Roadshow: Ob-la-di Ob-la-da

Den Gedanken des an sich schon recht ausgelassenen “Ob-la-di Ob-la-da” von Paul McCartney noch einen Schritt weiter gedacht, wird es zu einer ausgelassenen Büroflur-Party mit “Join in!”-Gestus, wunderbar dargestellt von The Rock & Worship Roadshow. Zurecht von Mashable als eine der originellste  Beatles-Cover-Versionen auf Youtube honoriert. Hier gibt es mehr davon.

Nada Surf: Where is my mind

Passend zur aktuellen Deutschland-Tour der amerikanische Indie-Rock-Band hier ein “Web-Fundstück” von Nada Surf, der Beitrag zum Pixies-Tribute-Album “Where is my mind”, nämlich ein Cover des gleichnamigen Stücks vom Pixies-Debüt “Surfer Rosa”. Nicht wirklich komplett “Gegen den Strich” doch wird dem spröden Original doch noch einiges an “atmosphärischen Störungen” hinzugefügt und man ist dann doch erstaunt, dass eine sonst so relativ geradlinig durch ihre Songs pflügende Band sich auch an einem so verqueren Stück nicht verhebt und es auch auf einem Nada Surf-Album zwar auffallen, aber nicht störend wirken würde.

Flogging Molly – The times they are a-changin

Wenn schon das Bühnenjubiläum von Bob Dylan und das Gründungsjubiläum von Amnesty International zusammenfallen, und beide durchaus dieselbe Zielgruppe ansprechen, war es naheliegend, daraus ein Paket zu schnüren. Das ist dann aber so umfangreich geworden, dass es nicht mehr ganz rechtzeitig in 2011 fertig wurde. Aus den 50 Jahren wurden 50 Interpretationen von Dylan-Klassikern von Künstlern der modernen, gemässigten Popularmusik (HipHop und Metal mussten draussenbleiben), kann sich da aber auf ein Who is Who berufen. So spannend war es noch nie in die Dylan-Welt einzutauchen und die Qualität der Cover-Versionen ist durch die Bank weg gut, auch schön, dass alle bekannten Dylan-”Hits” eine Bearbeitung erfahren haben. Manchmal nah am Original wie Sting und Jeff Beck, manchmal vereinnahmen die Künstler das Original komplett für sich, vor allem Rise against, Gaslight Anthem und Flogging Molly. Da letztere noch ein schönes Video zu ihrem Dylan-Tribute gedreht haben, sollen sie als exemplarisches Beispiel für diese schöne CD-Box hier als Song der Woche präsentiert werden: Flogging Molly’s krachige Version von “The times they are a-changin”.

The Kooks – Is it me?

The Kooks sind hierzulande doch nie wirklich präsent gewesen und weder durch große Touren oder mehrseitige Features in Indie-Magazinen aufgefallen. Vielleicht war es die Ähnlichkeit mit The Coral und anderen, die das Feld schon einige Jahre früher bestellt haben und dass es außerhalb der britischen Inseln weitaus schneller zu Sättigungserscheinungen beim dort so beliebten New Britisch Jangle-Folk-Pop kommt. Dabei legen die Kooks die Messlatte beim Songwriting sehr hoch und schaffen mühelos den Spagat zwischen Ohrwurm und Anspruch. Allerdings konnte nach dem sehr guten Debüt die Qualität weitestgehend gehalten werden, aber es fehlt irgendwie noch das “Überalbum”, um endlich in die britische A-Liga (die dann auch oft mit dem amerikanischen Markt liebäugelt) aufsteigen zu können. Dabei würde ein Best-of des bisherigen Oeuvres das durchaus schon leisten können. Hier nun also ein überaus schöner Song aus dem letzten Album mit einem originellen Video – typisch the Kooks halt.

The Smiths: Bigmouth strikes again (live)

Kurz vor Weihnachten wurde von der Plattenfirma endlich mal die inzwischen ziemlich unübersichtliche Smiths-Diskographie aufgeräumt und alles wichtige in bester Remastered-Klangqualität – auch komplett in einer schönen Box – wiederveröffentlicht. Besonders das Live-Werk “Rank” profitiert von dieser Neu-Veröffentlichung, ging es doch im Hype um die legendären Studio-Alben immer etwas unter. Dabei ist es im Gegensatz zu den manchmal (vor allem durch die 80er Soundtechnik) etwas kühl klingenden Studioproduktionen noch viel lebendiger und mitreissende – und beweist, das angetrieben durch’s Morrisseys Energie das Quartett vor allem auf der Bühne seinen rechtmässigen Legendenstatus manifestiert hat. Ein seltenes Video zur “Rank”-Version von “Bigmouth strikes again” aus dem Ballroom im Londoner Stadtteil Kilburn stellt daher den heutigen Song der Woche.

Ten Years After: Good Morning, little Schoolgirl (live)

55 Jahre ist es her, dass sich eine der wichtigsten englischen Bluesrock-Bands in Nottingham gründete. Natürlich wäre sie wohl ohne die legendäre “I’m going home”-Performance in Woodstock ’69 (der einzige Song, der es in den Festival-Film schaffte) nur eine Fußnote der Rockgeschichte geblieben, aber so ist der Einfluß auf junge Bluesrock-Künstler auch heute noch spürbar. Hier aus dem selben Jahr ein weiteres Highlight ihres Repertoires, die Sonny-Boy-Williamson-Nummer “Good Morning little Schoolgirl”, live im Fillmore West in einem Video, dass in Hippie-Romantik nur so schwelgt, aber auch die Live-Energie und das technische Können von Ten Years After wunderbar rüberbringt.

Lambchop: This Corrosion

Goth-Rock goes Country-Folk. 80s Synthie-Pathos goes 00s laid back Acoustic. Es ist immer wieder schön zu sehen, wenn Künstler mit einer leidenschaftlichen Cover-Version anderen Künstlern Tribut zollen, die man so gar nicht in ihrer Playlist vermuten würde. Zwischen Sisters of Mercy und Lambchop liegt nicht nur geographisch ein Ozean. Aber wie auch schon das NIN-Cover von Johnny Cash bewiesen hat, sind auch im “Industrial”-Umfeld hervorragende Songschreiber unterwegs. Und so machen Lambchop aus dem doch inzwischen sehr angestaubten klingenden 80er Stück eine sechsminütige Elegie mit großer Intensität. Der Song der Woche: Lambchop mit ihrem Sisters-Cover “This Corosion”.

Harrys Gym: Attic (live)

Man kann nicht gerade behaupten, dass “Harrys Gym” (nein, kein Apostroph) einen kometenhaften Aufstieg hinter sich haben – man kann hier eher von einem “gesunden Wachstum” sprechen. 2006 gegründet, 2008 mit einem sehr guten Debüt-Album auf sich aufmerksam gemacht, auf ein paar Festivals neue Fans gewonnen und 2010 ein reifes Zweitwerk präsentiert. Aber da ist definitiv noch mehr drin, bei der Gruppe aus Oslo. Natürlich ist der Stil nicht gerade prädestiniert für irgendwelche Charts oder simple “klingt wie….” Vergleiche. Hypnotische Synth-Hooks treffen auf Indie-Geschrammel und Power-Drums. Von der Intensität und dem Songaufbau noch am ehesten mit den Anfängen von Madrugada vergleichbar, aber doch sehr eigen. Leider kommt dieses “Manische” auf den Alben nicht so gut rüber wie Live, wo dann die Songs auch ohne weiteres mal die 6-Minuten-Grenze durchbrechen. Deswegen auch hier als Song der Woche eine Live-Aufnahme aus dem Jahr 2009: Harrys Gym mit “Attic”.

Julia Nunes: Run around Sue

Julia Nunes hat sich in den letzten Jahren mit originellen Videos zu Coverversionen, aber auch eigenen Songs zu einem der “Stars” der neuen “YouTube-Szene” entwickelt. Als eine der ersten entdeckte sie die Ukulele als neues Mode-Instrument (was sich aber halt auch hervorragend für diese Art von spontaner Performance eignet) und erspielte sich schnell eine große Fangemeinde. Inzwischen veröffentlicht sie Alben und geht in den USA regelmäßig auf Tour, dadurch werden die YouTube-Performances sporadischer, sind aber noch immer so sehenswert wie zu ihrer “Hochphase”. Hier als Song der Woche ein frisches Video von Julia Nunes: eine Coverversion von “Run around Sue” von Dion and the Belmonts als Teaser für ihr neues Album.

Honig – In my drunken Head

“Singer/Songwriter” gilt als eine der Königsdisziplinen der Popmusik und gerade in Deuschland gab es schon immer eine lebendige, aber weitehend unbeachtete Szene. Neu ist, dass die jüngste Generation sich auch traut, in Englisch zu singen und das in den meisten Fällen sogar ohne dicken deutschen Akzent und eingeschränktem Vokabular funktioniert. Als “Vorgruppe” von An Horse und Tim Neuhaus mit seinen Cabinets ist derzeit Stefan Honig (unter der Pseudonym “Honig) auf Tour, der ehemalige Frontmann der Akustik-Combo “Benevolent”. Nur mit Saiteninstrumenten (sowie manchmal auch von live eingespielten Loops) begleitet, zeigt sich die wahre Qualität der Songs und auch das hohe Niveau der Texte – die als “one man show” sogar noch besser zur Geltung kommen als auf seinem Debüt-Album von 2008. Song der Woche ist das melancholische “In my drunken Head” in einer “spontan und draußen” Performance von Honig, der hoffentlich bald auch auf größeren Bühnen sein Können zeigen darf.